Lesezeit: Cecilie, Prinzessin und die Kaiser-Kinder

Leseempfehlung, Buchvorstellung! Es geht um die letzte deutsche Kronprinzessin Cecilie und um die 7 Kinder von Kaiser Wilhelm II.
Und hier die Kurzfassung des Videos, nur 2 Minuten.
Rolf-Michael Hilkenbach August/September 2022

150 Jahre Deutsches Kaiserreich. Biografie Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria

LESEEMPFEHLUNG! vor 150 Jahren wurde das Deutsche Kaiserreich gegründet. Vielleicht auch mal ein Anlass, sich mit der wohl prominentesten Person aus dieser Zeit zu beschäftigen: Kaiser Wilhelm II. Sein Ansehen ist, in unserer Gegenwart, sehr geprägt durch die Katastrohe des 1. Weltkrieges. Eine sehr einseitige Perspektive, die der historischen Realität nicht gerecht wird.   Eines der besten – und vor allem gut lesbaren – Bücher zur Person des Kaisers, ist die Arbeit von dem Historiker Christopher Clark: Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers. Christopher Clark ist Australier und Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine’s College in Cambridge.  Er gilt als Experte für deutsche Geschichte im 19. Und 20. Jahrhundert. Gerade weil er kein deutscher Wissenschaftler ist, hat seine (Außen)Sicht auf die Dinge der deutschen Vergangenheit eine spezielle Relevanz. Er versucht betont sachlich, nicht vorurteilsbehaftet die Person des Kaisers ins Auge zu fassen und kommt dabei zu ganz anderen und viel differenzierteren Erkenntnissen als die landläufige, oft sehr oberflächliche Diskussion um das Kaiserreich heute.

Das Deutsche Kaiserreich war eine konstitutionelle Monarchie. Das heißt: Der politische Handlungsspielraum des Monarchen wurde durch eine Verfassung geregelt und vor allem beschränkt. Das Deutsche Kaiserreich war keine absolutistische Monarchie, die einen Monarchen unbeschränkte politische Macht ermöglicht. Im Deutschen Kaiserreich gab es ein gewähltes Parlament, den Reichstag und den Bundesrat der Landesfürsten. Mit beiden Institutionen musste sich der Monarch auseinandersetzen. Mit der Reichsgründung wurde auch die Position des Kaisers neu geschaffen. Hier gab es einige Besonderheiten, die es den drei Positionsinhabern nicht leicht machten, diese neue Position aktiv mit einem sozialen und politischen Rollenspiel zu füllen. Die Bezeichnung „Reichsoberhaupt“ wurde bewusst vermieden, denn das Deutsche Kaiserreich war zwar nach außen eine neu gegründete Nation, innenpolitisch jedoch war es ein föderalistisch organisierter Bund souveräner Staaten mit jeweils eigenen Staatsoberhäuptern und Regierungen. Der Deutsche Kaiser war deshalb auch nicht Kaiser von Deutschland, sondern Kaiser der Deutschen, den Landesfürsten nicht übergeordnet, formal ein „Erster unter Gleichen“. Sein offizieller Titel lautete „Deutscher Kaiser“. Vorrangig ein Symbol der Integration und der Repräsentation einer föderalistisch verfassten Nation. Der Inhaber der kaiserlichen Position hatte keinen Anspruch auf direkte Herrschaft. Eine in vielen Bereichen sehr vage, unbestimmte und offene Position. So vage, dass der erste deutsche Kaiser, Wilhelm I., diese Position überhaupt nicht attraktiv fand und lieber „einfach“ nur König von Preußen bleiben wollte. Das hatte in seinen Augen mehr Glanz und Bedeutung. Wilhelm II. versuchte nun diese Position in ihren Möglichkeiten auszuloten. Seine impulsive Persönlichkeit und sein aristokratisch-feudalistisches Selbstverständnis kollidierten hier allerdings sehr unsanft und reizbar mit den legislativen und exekutiven Elementen der Staatsverfassung. Wilhelm II. war bei solchen Konflikten kein Diplomat. Er liebte die Kontroverse und Herausforderung, besonders während der Anfangszeit seiner Herrschaft. Jugendlicher Elan, er war bei der Thronbesteigung gerade 29 Jahre, traf sehr oft auf eine Altherren- Mentalität der Gründergeneration, die die politischen Fäden fest in der Hand behalten wollte. Besonders der Streit mit Reichskanzler Otto von Bismarck war Ausdruck eines Generationenkonflikts, und ein Versuch des Kaisers seine politischen Optionen zu durchforschen. Die gesamte institutionelle Struktur des Kaiserreichs war ständig in Bewegung, wurde immer wieder neu verhandelt. Wilhelm II. wollte hier den Thron zu einer eigenständigen politischen Kraft entwickeln und die Möglichkeiten seines Rollenspiels weiter ausdehnen. Mit Bezug auf die Verfassung des Reiches sollte die kaiserliche Monarchie ein Garant für die Einheit des Reiches sein.

Über das Leben der Kaiserin Auguste Viktoria hat Jörg Kirschstein eine sehr schöne Bildbiografie verfasst. Auguste Viktoria war im Kaiserreich bei der Bevölkerung sehr beliebt. Sie war in der Öffentlichkeit stark engagiert mit stets großer Präsenz. Insofern gehörte auch sie zu den einflussreichen Personen im Kaiserreich. Derzeit wird darüber diskutiert, ob die Kaiserin einen Beitrag zum Untergang des Kaiserreiches leistete. Gemeint ist damit ihre konservative, antidemokratische politische Einstellung. Jörg Kirschstein nimmt in seinem Buch auf diesen Aspekt des geschichtswissenschaftlichen Diskurses allerdings keinen Bezug. Ihm geht es mehr darum die Person Auguste Viktoria – als „First Lady“ des Kaiserreichs – in die Erinnerung zurückzurufen.

In meinem Video werden die Bücher von Christopher Clark und Jörg Kirschstein vorgestellt.

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Rolf-Michael Hilkenbach / August 2022

Das Wesen der Monarchie

In Großbritannien wurde im Jahr 2022 das 70igstes Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. gefeiert – dass „Platinum Jubilee“ – und im selben Jahr ist die Königin im Alter von 96 Jahren verstorben. Eine spezielle Ära wurde groß gefeiert und ging zu ende, die nicht nur für Großbritannien von Bedeutung war, sondern die auch weltweit immer wieder Inspirationen aussendete. Keine andere Monarchin, kein anderer Monarch vor ihr hat diese lange Regierungszeit erreicht. Damit hat Elisabeth Windsor-Mountbatten eine absolute Rekordmarke realisiert. Keine westliche Politikerin, kein westlicher Politiker konnte länger das Amt eines Staatsoberhauptes ausführen. Elisabeth II. wurde zu eine der bekanntesten Persönlichkeiten des 20. und des 21. Jahrhunderts. Vor 70 Jahren, am 2. Juni 1953 wurde sie mit einem mehr als 1000 Jahre alten Ritual in der Westminster Abbey zur Königin des Vereinigten Königreichs gekrönt. Ein besonderer Anlass um über das Wesen der Monarchie als Staatsform in der heutigen Zeit nachzudenken.

Hat die Monarchie noch eine Bedeutung? Hat die Monarchie noch eine Daseinsberechtigung? Um sich einer Antwort auf diese Fragen zu nähern, kann es gut sein auf die zeremoniellen Erscheinungsformen einer Monarchie zu schauen. Hier offenbart sich das Wesen einer Monarchie, vor allem in der heutigen Zeit. Symbolträchtige Handlungen und Inszenierungen spielen bei der aristokratisch-monarchischen Öffentlichkeit eine ganz bedeutende Rolle. Insbesondere Hochzeiten, Sterbefälle, Trauerfeiern, Geburten, Geburtstage und Jubiläen sind keine Privatveranstaltungen innerhalb der königlichen Familie, sondern stets auch Ausdruck einer interessengelenkten – also politischen – Kommunikation und Interaktion mit Volk und Nation. Emotionen spielen hier eine wichtige Rolle. Die emotionale Bindung zwischen König/Königin und Volk hat eine ganz entscheidende Bedeutung. Deshalb zielen öffentliche Zeremonien der Monarchie auf eine beeindruckende, sinnliche wirkende Erscheinung.

Großbritannien hat als Staatsform eine konstitutionelle Monarchie. Das heißt: Der Monarch verzichtet auf die Prärogative, also spezielle Vorrechte, die ihm zustehen würden. Der König oder die Königin regiert auf Anraten von demokratisch gewählten Ministern und Parlamentsmitgliedern. In Anlehnung an ein Zitat des Historikers Stefan Malinowski können wir sagen: Die wichtigste politische Machtressource des Adels und damit auch des Königs/der Königin in der Gegenwart ist die Aufmerksamkeit von Beobachtern, die ihm/ihr eine herausragende gesellschaftliche Position zubilligt. Diese öffentliche Aufmerksamkeit, in unserer Zeit mit überall verfügbaren visuellen Medien und Social Media noch bedeutsamer, versorgt die Königin/den König mit einem nie gänzlich aufgebrauchten symbolischen Kapital, das gezielt für Imaginationen des Publikums eingesetzt werden kann. Und diese Imaginationen, die dann im Zusammenhang mit dem König/der Königin (und der königlichen Familie) entstehen, können gesellschaftspolitisch (durchaus auch machtpolitisch) handlungswirksam werden. Königin Elisabeth II. hat das schon sehr früh erkannt und die Medien effektiv dafür genutzt. Sie soll gesagt haben: Die Menschen müssen mich sehen, damit sie an die Monarchie glauben können. So wurde sie unter anderem zur am meisten fotografierten Frau der Welt.

In einer Monarchie ist der König/die Königin ein Abbild der ansonsten abstrakten Autorität des Staates und der politischen Idee einer Nation. Damit diese Projektion gelingt muss der Monarch vor allem von der Bevölkerung wahrgenommen, gesehen werden. Der Monarch muss visuell und öffentlich handelnd präsent sein. Dies ist die Basis für eine wechselseitige Identifikation. Der Aspekt der Wechselhaftigkeit darf dabei gerade für unsere Gegenwart demokratischer Gesellschaften nicht unterschätzt werden: Nicht nur das Volk soll sich mit dem Monarchen Identifizieren, sich also im Monarchen selbst als Volk erkennen, sondern auch der Monarch muss ein Talent für Einfühlung in die Befindlichkeit der Bevölkerung unter Beweis stellen. In den ständisch strukturierten Gesellschaften vergangener Epochen war diese Form der Wechselseitigkeit nicht unbedingt nötig, um Herrschaft zu konstituieren. Hier musste der König in erster Linie Loyalität, Anerkennung und Bindung zu den dominant herrschenden Ständen zeigen und spiegelnd in der Umkehrung für sich selbst bewirken können. Das breite Volk war Objekt monarchisch/staatlichen Handelns, kein unmittelbarer Ansprechpartner. Der Konservatismus von Monarchien hat diese Struktur noch lange erhalten. Deutlich daran zu erkennen, dass über sehr lange Zeit die Verheiratung von Personen aus regierenden Fürstenfamilien nur auf der Basis von sozialer Ebenbürtigkeit – innerhalb der eigenen aristokratischen Klasse – möglich war. Das hat sich gegenwärtig grundlegend geändert: Bürgerliche Personen können jetzt ohne große Probleme in eine regierende Fürstenfamilie integriert werden, allerdings nur dann, wenn sie sich als Unterstützer des aristokratischen Systems einer regierenden Fürstenfamilie bewähren. Und wenn seit dem 20. Jahrhundert immer mehr von einer Notwendigkeit der Modernisierung von Monarchien gesprochen wird, dann ist damit die unmittelbare und authentische Beziehung und Bindung zum gesamten Volk gemeint, sowie auch die Einsicht, dass der Erhalt der Monarchie ganz entscheidend von der Zustimmung der gesamten Bevölkerung abhängig ist, nicht bloß von der Zustimmung und Loyalität bestimmter privilegierter Stände. In Großbritannien ist dies konkret sichtbar am Bedeutungswandel der zwei Kammern im britischen Parlament. Das Oberhaus (Aristokratie und Klerus) hat besonders in den letzten hundert Jahren einen politischen Bedeutungsverlust hinnehmen müssen. Demgegenüber hat das gewählte (bürgerliche) Unterhaus an politischem Einfluss immens zugenommen.

In vergangenen Jahrhunderten musste der König permanent im Land umherziehen und immer wieder an verschiedenen Orten den königlichen Hof inszenieren, um so der staatlichen Autorität (heißt, seiner Herrschaft) Geltung zu verschaffen. Die persönliche Präsenz ist ein wichtiges Mittel der Herrschaft. Die Historikerin Karina Urbach hat dafür den Begriff der „Königlichen Zeigepflicht“ gebildet. Die unmittelbare persönliche Präsenz kann dabei auch in einem begrenzten Maße durch dafür autorisierte Pesonen ersetzt werden (zum Beispiel Mitglieder der Königsfamilie) bzw. symbolisch durch Bildnisse, Skulpturen, spezielle Rituale. Im Vereinigten Königreich wird heute noch nach vielen öffentlichen Veranstaltungen ein Toast auf die Königin/den König ausgesprochen oder es wird die Nationalhymne gesungen. Auf Briefmarken und Geldscheinen ist das Portrait des Monarchen zu sehen. Also, es wird eine Allgegenwart der Königin/des Königs (des an oberster Stelle herrschenden Prinzips) suggeriert. Insbesondere die Erbmonarchie verleiht dem Ganzen dann einen Anspruch von Ewigkeit und überzeitlicher Gültigkeit. Ein Monarch, der sich aus der Öffentlichkeit für eine unabsehbare Zeit in die „Privatheit“ zurückzieht, kann hier verheerende Auswirkungen auf das System haben. Das zeigte sich bei der legendären Queen Victoria im 19. Jahrhundert, die sich nach dem Tode ihres Ehemannes vollkommen zurückzog. Die Monarchie geriet besonders dadurch in eine Schieflage und wurde durch Stimmen aus der Bevölkerung in Frage gestellt. Eine nachhaltige Intervention des damaligen Premierministers erinnerte dann die Queen wieder an ihre Pflichten und an die Rolle, die sie zu spielen hatte. Elisabeth II. hatte in ihrer Regentschaft ein ähnliches Erlebnis, aber gerade durch ihre starke personale UND bewusst gewollte mediale Präsenz hat sie entscheidend immer wieder neu zur Rekreation und zum Erfolg der britischen Monarchie beigetragen. Darüber hinaus kann permanente und wohl gelenkte Öffentlichkeit des Monarchen Bedeutsamkeit generiert. Eine Bedeutsamkeit, die sich auf Staat und Nation überträgt. Das ist die „Soft Power“ der Monarchie heute, allem wenn es dem Monarchen gelingt durch sein repräsentatives Wirken das Ansehen des Staates zu verstärken und weit über die engen nationalen Grenzen zu verbreiten.

Währen der Trauerfeierlichkeiten nach dem Tod von Königin Elisabet II. wurden in speziellen TV-Live`s einige Personen von Journalisten nach ihrem subjektiven Erleben der pompösen durch viel Tradition geprägten Zeremonien befragt, unter anderem war auch per Zufall David Beckham dabei: Er sagte, er fühle sich stolz gerade in diesem Moment Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Zwei Frauen sagten: Wir haben uns hier erst kennengelernt, wir unterstützen uns gegenseitig, wir sind alle eine Gemeinschaft. Das ist die Kraft der Monarchie: Über alle sozialen Unterschiede hinweg Einheit zu inszenieren. Der König/die Königin als einendes Band. Es wird interessant werden wie der neue König des Vereinigten Königreichs, König Charles III., dieses Prinzip erreichen und umsetzen wird.

Monarchie (Alleinherrschaft) ist die Herrschaft des EINEN, personifiziert durch die Königin oder den König. Alles Verschiedene, Individualistische und Divergierende in einer Gesellschaft soll sich unter dem Dach des EINEN (der obersten Staatsgewalt, der Gesellschaft als Ganzes) zusammenfinden, trotz aller Widrigkeiten, kontroverser Diskurse und Streitereien. Öffentliche Veranstaltungen dienen dazu die Nation hinter der Königin und ihrer Familie zu versammeln. Das Verbindende, Gemeinschaftliche wird betont. Sehr augenscheinlich auch bei den großen Events zum Platinum Jubilee der Queen. Die TV-Kameras zeigten immer wieder Bilder von der Royal-Box, einer Loge für Mitglieder der Königsfamilie, die von diesem Platz aus den Veranstaltungen folgten. Was man sah, waren jedoch keine „Königlichen Hoheiten“. Sichtbar wurde in erster Linie eine junge Familie, die sich immer wieder um ihre noch kleinen Kinder kümmern musste und man sah Bruder und Schwester im geschwisterlichen Gespräch. Diese Bilder prägen, wie in der nachfolgenden Berichterstattung der Presse deutlich zum Ausdruck kam. Die Relevanz einer Monarchie wird daran gemessen, inwieweit sie zum Zusammenhalt des EINEN beiträgt, wie sie Bindung repräsentiert und hervorruft. Das Hauptaugenmerk des Monarchen muss besonders in unserer Gegenwart des 21. Jahrhunderts auf eine Verstärkung der kollektiven Bindungen gerichtet sein. Gerade in Zeiten von großem sozialem und wirtschaftlichem Wandel wird die überzeitliche integrierende und Kontinuität vermittelnde Wirkung der Monarchie entscheidend für ihre politische Relevanz. Der Souverän ist hier als „premier domestique“ der oberste Diener des Staates und ein Garant für die staatlich kollektiven Interessen. An ihrem 21. Geburtstag legte Elisabeth II ein öffentliches Gelübde ab: Sie wollte, egal wie kurz oder lang ihr Leben sein würde, von ganzem Herzen ihrem Volk und dem Commonwealth dienen.

Oft können wir lesen, dass sich die Queen nie politisch äußert. Das stimmt und es stimmt auch wieder nicht. Es stimmt, weil sich der Monarch nicht in das politische Tagesgeschäft einmischen darf. Der Monarch und die Mitglieder der königlichen Familie sollen sich nicht in den Dienst partikularistischer Interessen stellen, sondern eben die Herrschaft des EINEN hervorheben, bewirken und unterstützen. Eine überzeitliche Kontinuität und Solidarität sind hier gefragt. Das ist auch Politik, jedoch auf einer anderen Ebene. Der spezielle Erfolg der Monarchen besteht heutzutage darin hier genügend Können und Intelligenz unter Beweis zu stellen.

Großbritannien hat eine demokratische Struktur – die älteste Demokratie Europas – jedoch gibt es keine Herrschaft des Volkes, keine Herrschaft der VIELEN. Recht wird in Großbritannien niemals im Namen des Volkes gesprochen, sondern stets im Namen des Königs oder der Königin. Gegenüber der Königsfamilie ist das Volk ein kritischer Beobachter, der bei Bedarf Rechenschaft einfordern kann. Ein kompliziertes Verhältnis. Der Monarch repräsentiert das EINE, das Übergeordnete. Dem VIELEN muss er/sie sich immer auch nähern können, um verstanden und auch deutlich wahrgenommen zu werden, aber der Monarch darf sich niemals mit dem VIELEN gemein machen. Eine gewisse Distanz ist deshalb immer geboten. Dafür sorgt das Zeremoniell im Umfeld des Monarchen, aber auch sein Erscheinungsbild mit speziellen Attributen. Ein sorgfältig und gut überlegtes Verhältnis von Nähe und Distanz ist hier ein wesentlicher Faktor des Erfolgs oder auch des Misserfolgs. Im Jahr 1997 beim tragischen Unfalltod der Prinzessin von Wales empfand das Volk das Verhalten der Queen als zu distanziert. Das Volk verlangte, letztendlich auch in Person des damaligen Premierministers Tony Blair, eine deutliche Anteilnahme der Königin an der großen Trauer in der Bevölkerung. Damals eine gefährliche Situation für die Monarchie. Königin und Volk hatten sich in dieser höchst emotionalen Situation voneinander entfernt.

Für das Vereinigte Königreich war – außer den wichtigen Jubiläumsevents – im Jahr 2022 ein herausragendes gesellschaftliches Ereignis das Memorial für den im Jahr 2021 verstorbenen Ehemann der Königin, Duke of Edinburgh, Prinz Philip. In einer Monarchie ein zeremonielles Ereignis, das weit mehr ist als ein Gedenkgottesdienst.

Zu diesem Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Prinz Philip waren mehr als 1000 Personen unterschiedlichster Herkunft geladen. Vor der St. Paul Kathedrale mussten eine Reihe von jungen Leuten Spalier stehen. Sie repräsentierten unterschiedliche Gruppierungen und Institutionen der britischen Gesellschaft. Bilder sprechen hier manchmal mehr als Worte. Im Hintergrund konnte man eine Art „Kommandeuse“ in Uniform sehen, die diese ausgewählten Personen in Reihe und Glied stellte, alle sollten auf einer Linie sein, aber den nötigen Abstand waren! An dieser aufgestellten Reihe mussten alle Teilnehmenden des Gottesdienstes vorbei. Geladen war unter anderem fast der gesamte regierende Hochadel Europas: Die Königinnen und Könige der skandinavischen Länder, von Spanien und der Niederlande. Natürlich war die gesamte britische Königsfamilie anwesend, bis in die hintersten Verzweigungen. Der Herzog und die Herzogin von Sussex – Prinz Harry und Meghan – waren nicht dabei. Sie hatten sich vor einiger Zeit unrühmlich aus dem Staatsdienst verabschiedet. Bemerkenswert war, dass die Königin sich von ihrem zweitältesten Sohn Herzog von York, Prinz Andrew (demonstrativ) begleiten ließ. Er hatte aktuell einen sehr unangenehmen Skandal hinter sich, der heftig am Image der Monarchie kratzte. Zeitweise war er als Repräsentant der Krone aus dem Verkehr gezogen und wie es zukünftig mit seiner öffentlichen Rolle weitergeht ist noch ungewiss.

Ich empfehle sich das Video von diesem Gedenkgottesdienst einmal in voller Länge anzuschauen, und dabei auf die von mir beschriebenen wirksamen Faktoren der Monarchie zu achten.

Die Kurzfassung des Gedenkgottesdienstes

Die Langfassung ca. 1 Stunde, aber sehenswert!

Rolf-Michael Hilkenbach / Juni 2022 (überarbeitet im September 2022)

Trailer / Kurzfassung zu meinem Lesezeit-Video „Der Prinz und die Nazis“

Es werden im Schwerpunkt zwei Bücher zum aktuellen Hohenzollernstreit vorgestellt Das bis 1918 regierende Fürstenhaus Hohenzollern verklagt aktuell die Bundesländer Berlin und Brandenburg auf Entschädigung und Ausgleichzahlungen für verstaatlichte Besitztümer in der ehemaligen. sowjetische Besatzungszone bzw. dem ehemaligen Staatsgebiet der DDR. Klageführer ist Georg Prinz von Preußen, Erbe und Chef des Hauses Hohenzollern. Ausführliche Erläuterungen dazu in dem Video „Der Prinz und die Nazis“ und in dem Artikel auf diesem Blog „Kaiserliche Schätze und der Hohenzollernstreit“.

Rolf-Michael Hilkenbach Mai/2022

Kleines TARKAN Festival

Ja, ich bin Tarkan-Fan und das schon seit mehr als 20 Jahren. Tarkan ist bis heute der einzige internationale Star der türkischen Musikindustrie. Seine Musik funktioniert nicht nur sehr erfolgreich in der Türkei, sondern auch in den arabischen Staaten, Russland, Deutschland, Niederlande, Belgien, Großbritannien, USA und Südamerika. Und das erstaunliche und bewundernswerte dabei: Er blieb seiner Muttersprache Türkisch treu. Nur ein einziges Mal veröffentlichte er ein Musik-Album auf Englisch (damals speziell für den US-amerikanischen Markt gedacht), durchaus auch erfolgreich, aber nur im Türkischen findet er ein Zuhause, wie er in einem Interview betonte. Und seine Fans folgen ihm, überall auf der Welt. In der Türkei ist Tarkan gegenwärtig ein Mythos. Ein Mythos, der vom Willen zur Veränderung und kultureller Öffnung einer konservativen, durch viel Tradition geprägten Gesellschaft erzählt.

Seine Karriere begann zu Beginn der 90er Jahre. Tarkan studierte Musik in Istanbul und New York. Für die türkische Musik-Szene wurde er von der in der Türkei sehr populären Sängerin Sezen Aksu entdeckt. Sie gab ihm auch den Anstoß für die musikalische Richtung, der er bis heute treu geblieben ist und die wohl auch am besten zu seiner Persönlichkeit passt. Tarkan gilt als Erfinder des Arab.-Pop, eine spezielle Mischung aus der klassischen arabischen Arabeske mit modernen innovativen Klängen und Rhythmen der westlichen Popmusik. Bei Tarkan kamen besonders zu Beginn seines Erfolgs noch sehr provokante Songtexte hinzu, die für viel Diskussion in konservativen Kreisen der türkischen Gesellschaft sorgten. Auffällig die Art seines Auftretens in der Öffentlichkeit: Eine Selbstinzenierung als Male-PinUp: Ein neues Bild von Männlichkeit, das sich sehr stark an westlichen modernen Standards und Entwicklungen der Geschlechterrollen orientierte.  Das trug sicher zu seinem enormen Erfolg bei, vor allem bei einer jungen Generation, die sich nach Veränderung und Modernisierung sehnte.

Tarkan wurde im Rheinland (Deutschland) geboren und ist im Ruhrgebiet aufgewachsen (Gelsenkirchen). Er lebt heute in Köln.

Die 5 Songs, die ich hier ausgewählte habe, stammen aus der frühen Phase von Tarkan`s Karriere und charakterisieren speziell das damals Neue oder Ungewöhnliche für die türkische Pop-Musik. Diese Songs gehören bis heute zun seinem Konzert-Repertoire. Fast jeder dieser Songs platzierte sich unter den ersten Fünf der Hit-Charts. „Simarik“ (Der Kuss) habe ich nicht mit dazu genommen, denn diesen Titel kennt jeder. Es war der Song, mit dem Tarkan den internationalen Durchbruch erlebte. Der sechste Song zeigt Tarkan bei einem Liveauftritt.

„Sorma Kalbin“ ist eine sehr schöne Balade mit der klassischen arabischen Arabeske als musikalisches Leitmotiv!
Zum Abschluss Tarkan bei einem Live-Auftritt 2019, hier zeigt er noch einmal die Breite seiner musikalischen Möglichkeiten in der populären Musik.
Rolf-Michael Hilkenbach / April 2022